Vor ein paar Wochen saß ich mitten in einem Basisseminar zum Systemischen Konsensieren. Wir waren gerade bei einem zentralen SK-Werkzeug, der geeigneten Fragestellung, als mir plötzlich ein Bild durch den Kopf schoss.
Eigentlich ist eine gute Fragestellung wie eine Angel.
Da gerade Sommer ist und viele von uns Richtung Urlaub aufbrechen, teile ich den Gedanken einfach mal.
Was die geeignete Fragestellung mit Angeln zu tun hat
Wenn ich angeln gehe (Ha! Als würde ich das tun), überlege ich mir nicht zuerst, welche Angel ich mitnehme. Ich frage mich zuerst: Was möchte ich eigentlich fangen? Erst danach entscheide ich über Rute, Schnur und Köder.
Bei Entscheidungsprozessen ist es ähnlich. Wenn ich die Fragestellung entwickle überlege ich mir parallel dazu: Welche Art von Antworten wünsche ich mir eigentlich? Darauf richte ich meine Frage aus.
Dann kam mir der nächste Gedanke: der Köder. Schon die Wortwahl entscheidet mit darüber, was anbeißt. „Welche Ideen habt ihr?“ bringt meist viele offene Vorschläge. „Welche konkret umsetzbaren Schritte können wir in den nächsten drei Monaten gehen?“ führt fast automatisch zu fokussierteren und realistischeren Antworten. Der Köder macht eben einen Unterschied.
Und wenn ich beim Angeln nur Müll aus dem Wasser ziehe? Dann schimpfe ich ja auch nicht auf die Fische. Wahrscheinlich habe ich den falschen Köder gewählt. Oder den falschen Haken. Warum sollte das in Entscheidungsprozessen anders sein? Wenn Vorschläge nicht passen, unklar sind oder am Thema vorbeigehen, lohnt sich oft zuerst ein Blick auf die Fragestellung – nicht auf die Menschen.
Dann gibt es noch den richtigen Teich. Mit der besten Angel und dem besten Köder werde ich keinen Hecht im Goldfischteich fangen. Eine gute Fragestellung ersetzt deshalb auch nicht die passenden Beteiligten. Wenn die relevanten Perspektiven fehlen, entstehen viele der Antworten, die wir eigentlich suchen, gar nicht erst.
Manchmal lohnt es sich sogar, mehrere Angeln gleichzeitig auszuwerfen. Unterschiedliche Fragen eröffnen unterschiedliche Fangräume. „Welches Restaurant mieten wir für das Firmenjubiläum?“ und „Wie sieht das Rahmenprogramm aus?“ und „Wen laden wir zur Feier ein?“. Diese Fragen können wir zusammen zu einer übergeordneten Frage „Wie organisieren wir die Firmenfeier?) zusammenfassen. Wir können sie aber auch gut trennen und zunächst parallel entwickeln, bevor wir dann die passendsten Ideen zu einem guten Vorschlag, also einem guten Menü kombinieren. Ich erlebe häufig, dass diese Parallelität einfacher funktioniert, als alles sauber nacheinander abzuarbeiten.
Zum Schluss bleibt noch der Beifang. Nicht alles, was auftaucht, passt auf den ersten Blick zur Fragestellung. Manchmal steckt darin aber ein ungelöstes Bedürfnis, ein Missverständnis oder ein blinder Fleck. Deshalb empfehle ich dir, sie zu prüfen, bevor du sie verwirfst.
Gute Entscheidungen beginnen nicht mit guten Vorschlägen. Sie beginnen mit der richtigen Frage.
