In Konflikten wünschen sich beide Seiten, verstanden und gehört zu werden. Stattdessen enden sie oft in Vorwürfen, Resignation und wiederkehrenden Mustern. Um aus dem Vorwurfskarussel auszusteigen, haben sich drei Ansätze besonders bewährt.

3 Wege um mit Konflikten umzugehen

  1. Erstmal runterkommen und mich dann selbst klären – Selbstempathie
  2. Dem Gegenüber wirklich zuhören – Empathie
  3. Offen aussprechen, was mich bewegt und was ich möchte – Aufrichtigkeit

Das liest sich erstmal einfacher, als es in der Praxis wirklich ist. Wir sind es gewohnt, zu analysieren, negatives zu unterstellen und zu kritisieren. Wie funktionieren diese 3 Wege also?

Selbstempathie

Im Konflikt geht dein Körper schnell in Alarmbereitschaft, dein Herz schlägt schneller und der Blick verengt sich. Flucht, Angriff oder Verteidigung sind plötzlich die einzigen Optionen. Und statt konstruktiv an der Situation zu arbeiten, geht es plötzlich um Rechtfertigung oder die Suche nach Schuldigen. Kommt dir bekannt vor?
Dann weißt du auch, dass ihr in dem Moment kaum etwas von dem zur Verfügung steht, was du mal gelernt hast – über Gesprächstechniken, Deeskalation, ruhig bleiben oder was auch immer. Um hier Handlungsspielraum zu bekommen, braucht es die Auseinandersetzung mit den eigenen Triggerpunkten. Alleine für mich kann ich oft nur mental klären, was los ist. Aber was löst es in mir aus? Wie fühle ich mich, wenn mich jemand anschnauzt?
Wenn ich meine wichtigsten Baustellen ein paarmal  angeschaut habe, werde ich sie auch in meinen alltäglichen Konflikten wieder erkennen. Und plötzlich verlieren sie ihren Schrecken, ich kann einfühlsam bei mir bleiben und schließlich wirksamer für das eintreten, was mir wichtig ist.

In unseren Seminaren verwenden wir zum Beispiel gerne die Trigger-Übung. Jemand konfrontiert dich mit einem realen oder fitkiven Auslöser, du spürst in dich rein, welche Gefühle dieser Trigger auslöst und erhältst Gelegenheit, die Bedürfnisse anzuschauen, die damit zusammenhängen. Hast du dir diese bewusst gemacht, bist du automatisch mit dir verbunden – und die Äußerungen deines Gegenübers werfen dich nicht mehr so aus der Bahn. 
Wenn du ein Thema gefunden hast, dass dich besonders umtreibt, kannst du es in einem unterstützen Setting mit einem der Trainer tiefer anschauen.

Empathie

Stell dir vor, du sprichst jemanden an, weil dich etwas an seinem Verhalten stört – und noch bevor du ausreden kannst kommt eine Rechtfertigung oder eine Retourkutsche. Hast du den Eindruck, dass dein Anliegen wirklich angekommen ist? Wahrscheinlich nicht. Also nochmal eindringlicher versuchen oder resigniert aufgeben. Wäre es nicht schön, wenn dein Gegenüber dir einfach kurz zuhören würde, und dir signalisiert „hey, ich verstehe dich“? Wahrscheinlich würde es ein wesentlich entspannteres Gespräch werden.

Und jetzt mal andersrum, wann hast du das letzte Mal jemandem verständnisvoll zugehört, der mit Kritik bei dir angekommen ist? Nicht ihm zugestimmt („ja, hast ja recht“), oder dich verteidigt („Aber…“),sondern aktiv zugehört?
Auch wenn es zu den Königsdisziplinen im Konflikt gehört, Empathie ist die De-Eskalationsstrategie Nummer eins, nichts bringt uns so schnell an den Kern dessen, was uns wichtig ist.

Aufrichtigkeit

Wenn jemand etwas macht, das mich stört, dann möchte ich, dass er sein Verhalten ändert. Sein Verhalten ändern kann er natürlich nur, wenn ich ihm sage, was ich stattdessen gerne hätte. Aber sein Verhalten ändern wollen – das wird er nur, wenn ich wertschätzend mit ihm umgehe. Das heißt in erster Linie, die guten Gründe für sein Verhalten würdigen (hier kommt wieder die Empathie ins Spiel) und darüber hinaus meine Anliegen ohne Kritik, Schuldzuweisung oder Vorwürfe rüberzubringen.

Wie ich Konflikte mit GFK souveräner handhaben kann

Das Essenzielle an jedem Konflikt (hier noch einmal in einem eigenen Artikel zusammengefasst) sind 4 Elemente:

Was ist passiert?
Wie fühl ich mich damit?
Welches Bedürfnis wird berührt?
Welche Bitte habe ich?
 

Wenn wir diese vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation das erste Mal formulieren, klingen sie im besten Fall gestelzt und holprig, im schlimmsten Fall verwechsle ich das, was ich immer mache, mit den 4 Schritten und wundere mich, warum es alles nur noch schlimmer macht („Wenn ich sehe, wie unmöglich du dich anstellst, fühle ich mich nicht ernst genommen weil ich brauche, dass du dich benimmst. Hör bitte auf damit!“). Deswegen üben wir in unseren Seminaren diese 4 Aspekte schriftlich und mündlich mit dir, bevor du es im realen Leben ausprobierst.

Das was ich hier umrissen habe zu verstehen, zu erleben und zu trainieren funktioniert ähnlich wie ein Fitnessstudio. Um wirklich Resultate zu erzielen, musst du eine Weile dran bleiben, entweder indem du selbst trainierst oder regelmäßig ins Seminar kommst. An einem Einführungswochende in GFK lernst du alle Grundlagen, die du brauchst, um weiterzumachen. Danach kannst du entscheiden, ob dir diese Arbeit taugt und du sie vertiefen möchtest, zum Beispiel in einer unserer Ausbildungen, Übungsgruppen oder durch Selbststudium.

Ich freue mich auf deine Fragen, Kommentare und natürlich darauf, dich persönlich kennenzulernen. Z.b. in Berlin am 17./18. August zur Einführung in Gewaltfreie Kommunikation

 

Markus Castro ist Trainer und Ausbilder für Konfliktlösung mit Gewaltfreier Kommunikation und Moderation nach dem SK-Prinzip. Er lebt in Potsdam und gibt deutschlandweit Seminare.